Gladbecker Luft- und Heliotherapie

 

 

Bild TL002

 

Bild:  Foto (16x11) - Gr. Mittelformat   Papier: ?   Fotoalbum: 41 Fotos/ 22Seiten

Herstellungsdatum: ca.1918

Fotograf: Nicht bekannt

Herkunftsort: Gladbeck, Westfallen - Deutsches Reich

Herkunft: Das Fotoalbum habe ich erworben

 

1. Zeitraum:

Das Foto/Fotoalbum wurde leider nicht datiert. So musste ich über die Geschichte des Krankenhauses nachforschen.

  1. Auf dem Fotoalbum steht in goldenen Lettern „St. Barbara Krankenhaus in Westfalen“ Beide Bezeichnungen deuten auf die letzte Kaiserzeit hin.

  2. Das Krankenhaus „St. Barbara“ wurde 1894 eingeweiht, um hauptsächlich Patienten der Zeche Moltke zu versorgen, auf den Fotos sind auch nur männliche Patienten zu sehen.

  3. Das Krankenhaus wurde Ende des II. Weltkrieges schwer durch Bombenangriffe beschädigt, die Auslagerung mit ca. 200 Betten wurde in einen Stollen verlagert „ Stollenkrankenhaus“. Nach dem Weltkrieg wurde das „Krankenhaus“ in St. Barbara Hospital umgetauft. 

 

  2. Ort:

Damals: Gladbeck in Westfalen       Heute: Gladbeck in Nordrhein-Westfalen

 

 3. Räumlichkeiten, Darstellung, Interpretation

3.1. Die Frischluft-Liegekur: Was ich auf dem Bild sehe, ist eine Erholungsveranda, typisch bei der Frischluft-Liegekur. Diese „Verandas“ findet man bei den Krankenhäusern (Spitale), Erholungsheime, Sanatorien und sonstigen Erholungseinrichtungen um 1800 bis 1970. Jeder Patient hat eine Liege und ein Decke. Die Decke wurde meistens bei Kälteexposition gebraucht. Diese Behandlungsmethode wird bis heute noch bei Atemwegserkrankungen, Bewegungsmangel und Rekonvaleszenz (Erholung) angewendet.

 

3.2. Die Heliotherapie: Über jeder Liege auf diesem Foto ist ein Fenster an der Decke, das die direkte Sonneneinstrahlung (Heliotherapie) auf den Patienten ermöglicht. Sehr praktisch, da die Patienten auch bei Regen die maximal zweistündige Frischluft-Liegekur-Anwendung genießen konnten und die Sonne nicht durchgehend den Patienten bestrahlen konnte, falls dieser einschlief.

 

Die Heliotherapie (Anwendung von Sonnenlicht) ist ein klimatherapeutisches Verfahren, das schon seit den alten Völkern, wie den Assyrer und Ägyptern als therapeutisches Mittel in Gebrauch war. Die alten Römer nannten die Räumlichkeiten für diese Anwendung „Solarien“ und diese waren auch bei Thermen auffindbar (heute benützen wir das Wort Solarium auch noch, jedoch mit künstlich erzeugtem Licht, ein Paradoxon).

Der „Alpenmediziner“ Dr. Oskar Bernhard (1861-1939) aus St. Moritz hat die Heliotherapie aus der Frischluft-Liegetherapie weiterentwickelt.

Anfang des 20.Jahrhunderts hat man sich gezielter wissenschaftlich mit der Lichttherapie/Phototherapie auseinandergesetzt. Nun konnte man genau UV-Strahlentherapie von Infrarotstrahlentherapie und Blauchlichstrahlentherapie unterscheiden und alle Formen anwenden. Es ist leider in Deutschland in Vergessenheit geraten, dabei hat dieses Feld ein enormes Potenzial, wenn man bedenkt, dass die Farbentherapie/Colortherapie auch noch dazugehört.

 

4. Ergebnis:

Dieses Bild hat sehr viel mit Physiotherapie zu tun.

 


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