Medizinische Gymnastik, Heilgymnastik

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Allgemeine Bilder


1650  Beschriftung: Krüppel   Bild/Kupferstich von Adriaen van de Venne: Privatsammlung (T. Langohr)
1650 Beschriftung: Krüppel Bild/Kupferstich von Adriaen van de Venne: Privatsammlung (T. Langohr)

 

 

 

Obwohl es viele Tausend Themen für eine elegante Unterhaltung gibt, gibt es Leute, die keinem Krüppel begegnen können, ohne von Füßen zu reden.

                                                        Aus China


1736 - Keil: Großvater der deutschen Physiotherapie?

Präsentation als PDF-Datei (30 Seiten)

Privatsammlung: T. Langohr
Privatsammlung: T. Langohr

Heilanstalten um 1800

Im 19. Jahrhundert entstanden in vielen Städten Europas orthopädische Privatheilanstalten. In diesen Einrichtungen wurden Kinder und Jugendlichen behandelt. Im Vordergrund standen Fuß- und Kniefehlbildungen,  sowie Wirbelsäulenverkrümmungen. Der Körper wurde in Apparate, Korsetts und Schienen gezwängt. Häufig wurde diese Therapie durch Gymnastik zur Kräftigung der Muskulatur ergänzt. Im Laufe der Monate und Jahre normalisierten oder besserten sich die Haltungsfehler.

Sehr bedeutende Institute entstanden unter anderem in Würzburg, Bad Cannstatt, Stuttgart, Berlin und Hannover.

Die erste Heilanstalt in Deutschland, die sich mittellosen Kranken widmete, war die "Armen Anstalt für Verkrümmte im Paulinen-Institut zu Stuttgart". Sie wurde im November 1845 gegründet und besteht unter dem Namen "Orthopädische Klinik Paulinenhilfe" heute noch.

Körperbehinderungen wurden noch nicht als ein soziales Problem angesehen. Es dauerte 44 Jahre, bis im Jahr 1889 mit der Hüfferstiftung in Münster die zweite orthopädische Klinik für arme Patienten in Deutschland eröffnet wurde.

Am Oberlinhaus in Nowawes bei Potsdam entstand 1886 auf Anregung des Pastors Theodor Hoppe (1846 - 1934) das erste Heim für köperlich behinderte Kinder.

Die konfessionellen Leiter der Heime bezeichneten die orthopädisch Kranken als "Krüppel", ihre Einrichtungen als "Krüppelheime". Sie wählten bewusst die abwertende Bezeichnung, um Mitleid in der Bevölkerung zu erwecken und die Spendenfreudigkeit zu erhöhen. Ihre Rechnung ging auf. So enstanden viele weitere Heime.

Diese "Krüppelheime" hatten die vollständige gesellschaftliche Integration der orthopädisch Kranken zum Ziel. Sie setzten sich aus vier miteinander verzahnten Bereichen zusammen: Schule, orthopädische Klinik, Berufsausbildung, Werkstätte für Behinderte.

 

ca. 1900 "Naturheilanstalt"  Bild/ Albuminfotografie Privatsammlung: T. Langohr
ca. 1900 "Naturheilanstalt" Bild/ Albuminfotografie Privatsammlung: T. Langohr

1800 Tierphysiotherapie

1807 "Pferdekuren"   Bild/Rechnung: Privatsammlung (T. Langohr) Herkunftsland:  Niederösterreich (Schloss Rohrau -Gemeinde Rohrau)
1807 "Pferdekuren" Bild/Rechnung: Privatsammlung (T. Langohr) Herkunftsland: Niederösterreich (Schloss Rohrau -Gemeinde Rohrau)

1800   Einfluss der französischen "Gymnastique orthopédique"

Die Franzosen haben es gemacht!

 

Text in Bearbeitung: Stand Februar 2017


1840 Die Geschichte der Manuellen Therapie

Texta als PDF - Datei (25 Seiten)

 

HANDGRIFFMEDIZIN

"Fas non est ab hoste doceri" [1]

 

Es ist unmöglich die Anfänge der Handgriffmedizin chronologisch und geographisch zu präzisieren[2]. In der menschlichen Entwicklung wurden die Hände schon immer bewusst und unbewusst zu therapeutischen und kurativen Zwecken benutzt.

Es gibt auf diesem Gebiet also kein Anfang und kein Ende und die Vervielfältigung sowie die Entwicklung neuer Ansätze zeigen eine klare Kontinuität in dieser Entwicklung.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Manuelle Therapie die sich aus der unkonventionellen Volksmedizin weit über 1.000 Jahren durch naturwissenschaftliche Methoden verfeinert hat.

Diese meist unkonventionellen Behandlungsmethoden haben auch schon immer entweder eine eigenartige Stellung innerhalb der Medizin bekommen, aber auch Vorurteile erleben müssen. Diese Konfrontation zwischen der Schulmedizin und unkonventionellen Heilverfahren ist so alt wie die Medizin selbst [3].

Es ist die Aufgabe der Geschichte der Physiotherapie dieses Aufzuarbeiten und verständlich zu machen damit in der Zukunft Fehler nicht wiederholt werden und diese Wissenschaft sich weiterentwickelt.

.....

 

[1] John Shaw(1792-1827) und James Paget(1814-1899): *Es ist keine Schande, vom Feind zu lernen*

[2] Guido F. Meert

[3]Birkhan & Oepen 1993; Pfeifer 2006


1856 - Per H. Ling und Albert C. Neumann

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1856 PER H. Ling und Albert C. Neumann.
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Text in Bearbeitung   Stand: Februar 2016


1860 Physiotherapie und Musik

Text in Bearbeitung: Stand März 2017


1865 Die Medico-Mechanische-Therapie "Das Zandern"

Text in Bearbeitung: Stand März 2016

 

Neben der Aufbruchstimmung der Chirurgie profitierte auch die konservative Orthopädie sowie Orthopädietechnik. Zur gleichen Zeit gewann die Heilgymnastik an Bedeutung. Zu nennen ist neben der schwedischen Heilgymnastik die "medicomechanische Therapie nach Zander".

 

Die medicomechanische Therapie wurde von dem schwedischen Arzt und Heilgymnast Jonas Gustaf Vilhelm Zander (1835 – 1920) entwickelt und salonfähig gemacht. Es ist die Idee der heutigen apparategestützten Trainingstherapie.

 

Um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert gründete 1865 G. Zander sein erstes Zanderinstitut. Viele deutsche Ärzte suchten diese Institute in Schweden auf, um sich in dieser modernen Behandlungsform unterrichten zu lassen, darunter J. H. Lubinus (Kiel) und W. Smitt (Dresden).

 

Ab 1877 erfolgte die industrielle Herstellung der für diese Therapieform notwendigten Apparate.

 

Die damaligen manuellen heilgymnastischen Übungen wurden auf die Maschinen übertragen.

Die mechanischen Einwirkungen sollten somit den Kranken dosierte Muskelübungen zur Genesung von einzelnen Organen (u.a. das Herz), Muskeln oder Gelenken ermöglichen.

 

1893 gründete Dr. Arthur Bertling (1851 - 1894) in Aachen eine "Medico-mechanische Zander Anstallt" auf einer Fläche von 550m2 und mit 73 Zandergeräten, dort wurden folgende Erkrankungen behandelt: "Circulations-Krankheiten, Athmungs- Verdauungs- und Bewegungsstörungen, Constitutionskrankheiten (Bleichsucht und Fettsucht) und nervöse Krankheiten".

 

Zur Geschichte der Mechanotherapie empfiehlt sich hier das Werk von Dr. med. G. Gabriel von 1926 zu lesen:

… „Die manuelle Gymnastik besitzt nun manche Schattenseiten, zu deren Beseitigung schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Versuche angestellt wurden. Die beste Lösung gefunden zu haben, ist das große Verdienst des Schweden Dr. Gustav Zander; dass sie ihm gelang, lag an folgendem: Zunächst daran, dass er aus eigener Erfahrung die Mängel der manuellen Gymnastik eindrucksvoll erkannte, die gegeben sind in der Fehlbarkeit des Patienten und des Widerstandsgebers. Dann aber verstand er, die physiologischen und die physikalischen Gesetze des menschlichen Körpers genau beobachtend, einen maschinellen Ersatz für Widerstandsgeber zu schaffen, der diesen Gesetzen entsprechend gebaut war und ihrem Ablauf entsprechend arbeitet.“ …

 

Zander entwickelte ein Apparatesystem, das in der Folgezeit technisch überarbeitet und weiterentwickelt wurde. Es umfasste 1905 schließlich 76 Apparate aufgeteilt in vier Gruppen: Apparate für aktive Bewegungen, Apparate für passive Bewegungen, Balancierbewegungen und mechanische Einwirkungen, orthopädische Apparate und als vierte Gruppe die Messapparate. Ein Beispiel ist der „Zanderapparat F2“ mit „Erschütterungen im Reitsitz“, auch „Trabapparat“ genannt, der mit 180 Schwingungen pro Minute wie beim Reiten den gesamten Körper erschütterte. Dies sollte unter anderem eine Anregung des Verdauungsapparats bewirken.

 

Mit der Einführung dieser Apparate in zahlreichen Instituten in ganz Europa und Nordamerika legte Zander wichtige Grundlagen für die moderne apparategestützte Physiotherapie und für die Sportmedizin.

 

In Freiburg/Breisgau gab es den Zandersaal der Orthopädischen Abteilung in der Chirurgischen Klinik der Universität Freiburg. Später verdrängten Kohlrauschs Krankengymnastikschülerinnen mit ihrer Behandlung bald diese medicomechanischen Geräte. Ein anderer Standort war das Zander-Institut in Bad-Nauheim.

 

Ihre Blüte erlebte die medico-mechanische Therapie von ca. 1870 bis zum Ersten Weltkrieg.

 

Zandern (also das üben an den Geräten) galt als chic, Zanderstudios waren in allen Kurorten anzutreffen, Zandern war teuer. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden allein in Deutschland in 79 Zanderinstituten ca. 100.000 Patienten pro Jahr behandelt. Hinzu kam eine vermutlich deutlich größere Anzahl von Patienten in weiteren medico-mechanischen Instituten mit Geräten anderer Hersteller (z. B. Herz aus Österreich, Krukenbergsche Apparate sowie die Hessing´schen Apparate).

Eine Zensur für die Anforderungen an die Behandlungskonzepte stellte der Erste Weltkrieg mit 4,25 Mio. Verletzten dar. Die Zandergeräte wurden zunächst in der Trainingstherapie genutzt, dann brauchte man wesentlich mehr. Kosten-Nutzen-Überlegungen traten in den Vordergrund und einfachere Apparate(-systeme) wurden als „Kriegsmechanotherapie“ entwickelt.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Kundschaft weg. Wer wollte schon an Geräten trainieren, die für "Kriegskrüppel" verwendet wurden? So wurde die Mechanotherapie langsam verdrängt. Gründe waren die hohen Kosten, unbefriedigende bzw. nicht dokumentierte Erfolge und insbesondere neue Gymnastikkonzepte (z. B. Klappsches Kriechen) und Veränderungen im Zeitgeist („Lebensreform“, Freikörper-Kultur, ästhetische Gymnastik, Ausdruckstanz), denen sich die Mechanotherapie schwerlich anpassen konnte.

 

 

Tipps zur Nachforschung

Vermutung Feb2017: Die Mechanotherapie/Gerätetherapie ist über Frankreich und Holland um 1890 nach Deutschland gekommen (Archiv Zusammenhänge 2)


1873 Die Großmutter der Physiotherapie?

1873 "Die Großmutter der deutschen Physiotherapie"?   Bild: Fotografie/CDV: Privatsammlung  (T. Langohr) Herkunftsland: Deutsches Kaiserreich/ Königreich Bayern  (München)
1873 "Die Großmutter der deutschen Physiotherapie"? Bild: Fotografie/CDV: Privatsammlung (T. Langohr) Herkunftsland: Deutsches Kaiserreich/ Königreich Bayern (München)

Frauen- oder Männerberuf?

Ist eine so dumme und unnötige Diskussion die eigentlich nur deutsche "Physiotherapeuten" beschäftigt.

Die Bemerkungen, Zitationen über dieses Thema  sind in Deutschland selbst in Lexika und Dissertationen falsch und unüberlegt.

Es gibt nach meiner Ansicht in Europa nur EINE ordentliche historische Recherche zu diesem Thema, und diese kommt aus Schweden und handelt über DIE SCHWEDISCHEN Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten.


ca. 1880  Bild/CDV: Privatsammlung T. Langohr  Herkunftsland: Deutsches Reich (Freie Hansenstadt Bremen)
ca. 1880 Bild/CDV: Privatsammlung T. Langohr Herkunftsland: Deutsches Reich (Freie Hansenstadt Bremen)

 

 

 

Alle künstlerische Darstellung hält euch einen Spiegel vor;

was ihr darin sehet, dabei denkt und fühlt, ist eure Sache.

 

 

Johann Jakob Mohr

(1824 - 1886), deutscher Epigrammatiker, Dramatiker,

Aphoristiker, Erzähler und Pädagoge


1890 "Carte de visite"

Georg Matthey 1890 Kneippkur

 

Privatsammlung:

Tobias Langohr

 

Die Idee zu diesen Fotos ließ sich der Pariser Fotograf André Adolphe Disdéri 1854 sogar patentieren. Die ungeheure Popularität solcher Aufnahmen (Format 6x9) führte nicht nur dazu, daß man anfing, Fotos von sich zu verschenken, sondern auch die von berühmten Leuten zu sammeln. Das Carte-de-visite-Foto war bis etwa 1910 "das tägliche Brot" der Fotografen. Die große nachfrage nach den modischen Bildchen hatte Folgen: Es begann die fabrikmäßige Herstellung der Aufnahmen, und es wurde eine spezieller Kameratyp mit vier Objektiven gebaut, der vier Aufnahmen gleichzeitig oder kurz hintereinander ermöglichte. 

 

Quelle: Agfa-Gevaert Foto Historama